Über 120 Jahre Imkerei im Strudengau – von den ersten Schulbienenständen 1903 bis heute.
Der Verein hat derzeit rund 35 Mitglieder, die ca. 400 Bienenvölker betreuen.
Ortsgruppe Waldhausen-Dimbach des oö. Landesverbandes für Bienenzucht.

von unserem verstorbenen Mitglied, Imker, Kassier und Schriftführer Dkfm. Hans Steindl (1934 – 2011).
Seine sorgfältige Chronik bewahrt die Erinnerung an mehr als ein Jahrhundert Vereinsleben – nachfolgend in voller Länge.
Der Imkerverein in Waldhausen – die Ortsgruppe Waldhausen-Dimbach des oberösterreichischen Landes-Bienenzüchtervereines – wurde im Jahre 1903 gegründet. Es war neben der Ortsgruppe Grein, die 1892 gegründet wurde, eine der ersten Ortsgruppen in dieser Gegend. Der OÖ Landes-Bienenzüchterverein, der Landesverband, wurde 1890 gegründet.
Gründer und erster Obmann der Ortsgruppe Waldhausen-Dimbach war der Schulleiter der Schloßschule, Oberlehrer Heinrich Braunegger, der am 16. 11. 1900 von Roßleiten, Bezirk Kirchdorf, nach Waldhausen kam. In der Schulchronik der Schloßschule findet sich am 24. 4. 1901 die folgende Eintragung:
„Im März und April erbaute Schulleiter Heinrich Braunegger den Schulbienenstand. Das hochw. Domkapitel spendete hiezu das Holz zu den Säulen, Sparren und Bändern etc. Die Gemeinde Waldhausen übernahm die Kosten des Holzfällens und die Herbeischaffung dieses Holzes. Die übrigen Kosten bezahlte vorläufig Herr Braunegger selbst. Den Plan hiezu machte Herr Braunegger, welcher von Zimmermeister Hackl in St. Georgen ausgeführt wurde. Am 25. April wurde der Bienenstand mit drei Original-Krainerstöcken bevölkert.“
Oberlehrer Braunegger war ein überaus aktiver Imker, er entwickelte eine eigene nach ihm benannte Beuteform. In der Schulchronik ist am 14. 11. 1904 vermerkt: „Heute nachmittag 12¼ h besucht k.k. Bezirkshauptmann Hr. Karl Bichler beide Klassen der Schule … Er besichtigte … den Universalständer (System Heinrich Braunegger) und sprach sich sehr anerkennend über die praktische Verwendbarkeit desselben aus.“ Die Braunegger-Stöcke waren bis vor nicht allzu langer Zeit bei älteren Imkern in Waldhausen noch in Verwendung.
Die Eintragung in der Schulchronik von Heinrich Braunegger vom 21. 8. 1906 ist interessant: „Der Sommer des Jahres 1906 war äußerst regnerisch, selten ein ausgesprochen schöner Tag. Die Temperatur war meist niedrig und danach fanden häufig Gewitter statt. Seit Menschengedenken war kein so weitverbreitet schlechtes Bienenjahr. Nicht nur keine Honigernte, sondern die Völker mussten während des Sommers und selbst in jenen Monaten, wo sonst die Haupttracht ist, gefüttert werden. Viele Völker sind während dieser Zeit verhungert.“
Am 15. 11. 1911 schrieb Hr. Braunegger an die Zentrale des Landes-Bienenzüchtervereines in Linz: „Ich ersuche um Bestellung einer Kunstwabenpresse (gewöhnliche) für die hiesige Ortsgruppe und zwar folgende im Handel vorkommende Maße: 25:40 cm stehende Form. Für meine Stockform, die hier meistenteils in Verwendung ist, würden wir das Maß 22:40 brauchen …“
Am 1. 8. 1912 starb Herr Oberlehrer Heinrich Braunegger an Nierenkrebs. In der Schulchronik ist folgendes zu lesen: „Am 4. Aug. fand um 11.00 Uhr vormittag das Leichenbegängnis statt. An demselben beteiligten sich viele Lehrer des Bezirkes, ein Abgeordneter des OÖ Lehrervereines aus Linz, die Schulkinder, die Gemeindevertretung, der Ortsschulrat, eine zahlreiche Bevölkerung und die Liedertafel.“ Wie daraus zu sehen ist, war Herr Braunegger ein sehr geschätzter und beliebter Mann.
Die Obmannstelle des Imkervereines übernahm nun der frühere Kassier, Hr. Oberlehrer Karl Neulinger, der auch die frei gewordene Schulleiterstelle übernahm. Herr Neulinger war ebenfalls ein sehr rühriger Obmann. Aus seiner Zeit besteht ein reger Schriftverkehr mit dem Landesverband. Jährlich wurden Berichte an den Landesverband geschrieben. Der Bericht für das Jahr 1920 lautete wie folgt:
1) Zahl der Vereinsmitglieder 41
2) Zahl der Völker mit bewegl. Bau 73
3) Zahl der Völker mit unbewegl. Bau 90
4) Honigernte bei bewegl. Bau 0 · bei unbeweg. Bau 0
5) Wachsertrag 0
6) Die Tracht wurde durch das schlechte Wetter, den Wind und das gänzliche Versagen der Waldtracht ungünstig beeinflusst.
7) Die hauptsächlichen Trachtpflanzen in unserer Gegend sind die Wiesenblumen, Brom- und Himbeeren, der Wald und der Hederich (im Volke: Drill).
Waldhausen, 8. Dezember 1920 — Karl Neulinger, Obmann der Ortsgruppe
Der Bericht für das Jahr 1921 sah nicht viel anders aus, auch 1921 war die Honigernte 0. Jährlich wurden auch Zuckerbestellungen gemacht. Am 1. 7. 1921 wurden für 74 Stöcke 60 kg Zucker bestellt, der damals 1.174.000 Kronen kostete. Im März 1929 berichtet Herr Neulinger dem Landesverband, dass im Winter viele Völker eingegangen sind.
Herr Oberlehrer Neulinger trat im Jahr 1932 in den Ruhestand und übersiedelte im Herbst dieses Jahres nach Grein. Am 29. 5. 1932 wurde als Obmann Herr Heinrich Altendorfer gewählt. Die Ortsgruppe Waldhausen-Dimbach hatte bis in die dreißiger Jahre Mitglieder aus verschiedenen Nachbarsgemeinden, wie z. B. St. Nikola, Dorfstetten und sogar St. Georgen am Walde.
Aus der Kriegszeit fehlen sämtliche Aufzeichnungen. Der Landesverband hörte zu existieren auf und es lief alles über eine zentrale Stelle für das gesamte Deutsche Reich in Berlin. Aus Aufzeichnungen geht hervor, dass Herr Schuhmachermeister Puchner nach Herrn Altendorfer Obmann war. Näheres fehlt.
Nach dem 2. Weltkrieg beginnen die Aufzeichnungen wieder mit der Wahl des Obmannes Herrn Franz Köttsdorfer am 29. 5. 1949. Der Mitgliederstand war bis dahin auf 12 geschrumpft. 1949 traten 24 neue Mitglieder dem Verein bei. Für diese Werbung von Mitgliedern wurde Herr Köttsdorfer vom Landesverband sehr gelobt und es wurden ihm drei Bienenbücher übersandt.
Am 13. Nov. 1955 veranstaltete der Imkerverein ein Kränzchen. Dabei gab es die Wahl einer Bienenkönigin, die sehr viel Spaß machte. Vom Reinerlös wurde ein Dampfwachsschmelzer und Bienenbücher angeschafft. Von der Jahreshauptversammlung 1956 wird erwähnt, dass Kamerad Franz Wagner eine alte hölzerne Honigschleuder (sogenannte Braunegger Schleuder) vorgezeigt hat, welche die Imker sehr interessierte.
Am 20. Sept. 1956 ist Herr Franz Köttsdorfer gestorben. Seine Stelle als Obmann übernahm nun Herr Förster Witzany, der vorher schon Obmann-Stellvertreter war. Herrn Förster Witzany war die Bienenweide ein sehr großes Anliegen. 1961 folgte Herr Hermann Honeder. In dieser Zeit begann bereits das Problem mit der Unkrautbekämpfung mit Spritzmitteln akut zu werden.
1966 wurde Herr Franz Primetshofer zum Obmann gewählt. Am 3. 1. 1968 verzog Herr Primetshofer von Waldhausen und Herr Josef Grubmüller übernahm die Obmannstelle bis 1974. 1974 wurde Herr Josef Aschauer zum Obmann gewählt. Während seiner langen Amtszeit bis 1992 nahm der Mitgliederstand wieder langsam zu – von 44 Mitgliedern im Jahr 1975 auf den Höchststand von 56 im Jahr 1987.
Die Imkerei ist in den letzten Jahrzehnten sicher schwieriger geworden. Durch neue Seuchen, speziell die Varroamilbe, wurden die Imker und die Funktionäre des Vereines besonders gefordert. Herrn Aschauer gebührt der Dank für seine langjährige Arbeit in dieser schwierigen Zeit.
1992 folgte ein Generationswechsel. Karl Katzengruber übernahm die Obmann-Funktion und Rudolf Buchinger den Gesundheitswart. Der neu orientierte Vorstand setzte sich zum Ziel, die Anliegen der Waldhausener Bienenzüchter einer breiteren Öffentlichkeit näherzubringen. Beschlossen wurde, das „Imkerfest am Schloßberg“ als jährlich wiederkehrende Veranstaltung einzuführen und am „Waldhausener Bauernmarkt“, am „Adventmarkt“ und beim „Strudengauer Volksfest“ präsent zu sein.
1995 wurde vom Imkerverein ein Mikroskop für die regelmäßigen Bienenuntersuchungen angeschafft, das den 52 Mitgliedern und ihren 326 Völkern zur Früherkennung der Bienenkrankheiten zur Verfügung steht. Anlässlich des 100-jährigen Vereinsjubiläums 2003 wurde das „Imkerfest am Schloßberg“ bereits zum 5. Mal veranstaltet. Als Austragungsort diente traditionell der Gasthof Reutner, wo die beliebte „Bienenwirtin“ Margarete Reutner die Patenschaft übernahm.
Aus beruflichen Gründen legte Karl Katzengruber im Jahr 2005 sein Amt als Obmann zurück. Für seinen Einsatz zum Wohle des Imkervereins sei ihm herzlich gedankt! Seit 2005 hat Rudolf Buchinger die Obmann-Funktion inne. In den letzten Jahren wird in den Medien viel vom Bienensterben berichtet. Für uns Imker ist es nicht immer einfach, Bienen zu halten, trotzdem engagieren wir uns mit viel Einsatz und Ehrgeiz zum Wohle unserer Natur und Umwelt.
Es ist zu hoffen, dass diese Aktivitäten des Vereines auch in der Zukunft das Vereinsleben beflügeln.
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